Hör niemals auf, neu anzufangen!

Walter Reis – Stiftungsgründer


Hör niemals auf, neu anzufangen!

Vom Robolutionär zum Projektpiloten

Robotik und Automation sind maßgeblich für die Evolution und die technische Revolution unserer Gesellschaft und Wirtschaft mitverantwortlich. Wir erzählen mit unserem Auftritt die Geschichte eines Tüftlers mit Zukunftsvisionen, der durch revolutionäre Ideen der Robotik nicht nur Bewegung in sein eigenes Leben gebracht hat, sondern auch Einfluss auf die heutige Wirtschaft genommen hat. Mit pedantischer Liebe zum Detail, dem Glauben an große Ideen und der richtigen Macher-Mentalität wurde aus dem Scheunentüftler der Robolutionär.

Aus der Historie

Der Projektpilot

Pilotprojekte kennt jeder, aber kennen Sie schon den Projektpiloten? Walter Reis wollte schon immer hoch hinaus. Mit der Apfelwiese seiner Eltern als Startbahn schaut der Technik-Freak heute auf einen Werdegang mit Höhen und Tiefen zurück, die ihn zu einem Ausnahme-Unternehmer gemacht hat. Auch wenn es mal Bruchlandungen gibt – solange man an etwas glaubt, mit Ehrgeiz daran arbeitet und auch Turbulenzen meistert, kann man Ideen Flügel verleihen.

Die Flügel ausbreiten

Walter Reis wurde am 18. März 1925 in Obernburg geboren. Die Obernburger, so sagt der Stifter, seien knorrig, stur, aber zuverlässig und beschreibt sich damit auch selbst recht treffend. Bereits mit 22 Jahren beschloss der gelernte Industriekaufmann und Elektrotechniker, Unternehmer zu werden – er schafft es mit unternehmerischem Gespür und Erfindergeist zum Global Player der Roboterindustrie.

Die Apfelwiese als Startbahn

Selbstständiges Arbeiten – das war genau das, was Walter Reis anstrebte. Mit der Unterstützung seiner Eltern gründete Walter Reis 1957 in Obernburg einen Kunststoff-Spritzgussbetrieb. Die Anfänge in der alten Scheune bei der ehemaligen Kochsmühle waren nicht einfach. Mit Energie und Durchhaltevermögen gelang ihm nach einigen Jahren die Entwicklung der Tuschierpresse, die 1961 zum Patent angemeldet wurde. Insgesamt wurden weit über 100 Patente angemeldet. Die Stärken des Unternehmers Walter Reis sind Marktchancen zu erkennen und Produkte zu entwickeln, die Kundenvorteile bringen. Unter Nutzung des Geschäftsflugzeuges bediente der Unternehmer europaweit rasch seine Kunden für Beratung und Service. Dadurch ergaben sich oft langanhaltende gute Geschäftsbeziehungen. Man kannte sich eben.

Vom Überflieger zum Geschäftsmann

Alles, was er macht, muss extrem, außergewöhnlich oder einzigartig sein! Kein Wunder also, dass der Technik-Fan eine Welt eroberte, die zu seiner Zeit noch völlig neu war – die Robotik. Mit der Gründung von REIS ROBOTICS spezialisierte sich Walter Reis auf den Bau von Maschinen zur Rationalisierung und Automatisierung beim Kunststoff- und Metallspritzguss. Den Erfolg von Walter Reis hat er seinem Grundsatz zu verdanken: “Was du auch immer machst, es muss für deine Partner und für Dich von Vorteil sein. Nachahmen kann nur Fortschritt bedeuten, wenn Du es besser und günstiger machst. Treffe nur solide Entscheidungen, die auch eine Perspektive bieten.”

Turbulenzen und Beinahe-Bruchlandung

Als REIS ROBOTICS seinen ersten Roboterarm in der Öffentlichkeit präsentiert, hagelt es Spott. “Zappler” nennen die Zuschauer den noch unausgereiften Prototyp und zeigen wenig Interesse an der Innovation. Generell gab es auch in der Karriere unseres Stifters Tiefen, die sich nur schwer überwinden ließen. Glücklicherweise war der Vater zur Stelle, als Walter Reis trotz seiner gewohnten kaufmännischen Vorsicht kurz vor dem Konkurs stand. Doch finanzielle Engpässe motivieren Walter Reis lediglich dazu, weiter zu experimentieren und er schwört sich, den Roboterarm zu perfektionieren.

Die Robolution

Über den Wolken: REIS ROBOTICS wird führender Hersteller in der Robotersystemintegration, denn hier wird auch erstmals ein deutscher Industrieroboter mit elektrischen Antrieben vorgestellt. Während sich Walter Reis zum bekannten Weltunternehmer entwickelt, hält seine Frau Elke ihm als gute Seele den Rücken frei, unterstützt ihn mit vollen Kräften und wird bis heute als wichtiger Faktor seines Erfolgs betrachtet. Walter Reis wird Mitglied im Hauptvorstand des VDMA und im Vorstand des Fachausschusses Robotic und Automation. Außerdem wird er zwei Jahre in Folge zum Präsidenten des internationalen Weltverbandes der Roboterhersteller gewählt – schließlich gilt er im Bereich Industrierobotik und Robotersteuerung als Revolutionär.

Die 35-Stunden Woche? Fluch und Segen!

Bereits in den 80er Jahren war der Ruf nach weniger Arbeitsstunden groß – hauptsächlich von Seiten der Gewerkschaften. Für Walter Reis war klar: Das wäre ein Rückenwind für seine Robotik! Aber möglicherweise auch katastrophal für die Arbeitnehmer der Branche, weshalb er sich letztendlich gegen die Forderung aussprach. 77 % der Arbeitnehmer taten es ihm gleich. Walter Reis blieb auch in solchen Situationen stets seinen Werten treu, ein bodenständiger “Fair Player” zu sein, der zwar Rationalisierung von Arbeit befürwortete, aber niemals ganze Arbeitsstellen wegrationalisieren wollte. Für unseren Piloten zählt immer die Menschlichkeit.

Einmal Pilot, immer Pilot

Walter Reis entdeckt das Fliegen auch als privates Hobby. 1992 hat er begonnen den Himmel Namibias im eigenen Segelflieger zu erkunden. Höhenmeter sammelt der sportbegeisterte Unternehmer allerdings nicht nur im Flugzeug. Elfmal Heli-Skiing in den Rockymountains gehörte auch dazu. Walter Reis beendete das Heli-Skiing, nachdem er sich aus einer Lawine befreien konnte. Radtouren von Bordeaux nach Santiago de Campostela, 1200 km, in 10 Tagen, in einer 10 Mann Gruppe, mit Begleitfahrzeug oder vom Tegernsee nach Bari, gehören auch dazu. Auf dem Mountainbike lässt der Unternehmer im Spessart seine Seele baumeln und hat in dieser Zeit über 65.000 Höhenmeter erklommen. Hier stellt er fest, dass seine Leidenschaft in Zukunft vermehrt in seiner Freizeit liegt und 2009 zieht sich der erfolgreiche Unternehmer langsam aus der Geschäftsführung von REIS ROBOTICS zurück.

Eine neue Ära

2014 und 2016 wird die Unternehmensgruppe bestehend aus 18 Firmen und 1500 Mitarbeitern verkauft. Das Unternehmen hatte bis dahin 13.000 Robotersysteme produziert. Doch jemand, der so durchstartet wie Walter Reis, findet auch außerhalb des Unternehmens Projekte, die seiner Aufmerksamkeit würdig sind. Mit der Gründung der Walter Reis Stiftung 2015 war schnell klar, dass kurz darauf auch das Walter Reis Institut die Region bereichern sollte. Am 26. September 2018 wurde es mit dem Ziel eröffnet Schüler, Erfinder und Tüftler mit Unternehmergeist gemeinnützig zu fördern. Mit wirtschaftlichem Rat und praktischer Tat werden junge und jung gebliebene unterstützt um Potenziale der Region aufzudecken, indem er Technikbegeisterung sowie Experimentierfreude in der Jugend weckt. Besonderen Augenmerk legt er hier auf umweltfreundliche Technologien. Regelmäßige Fachvorträge bereichern unter dem Namen “Wissen für Alle” zusätzlich die technisch interessierten Mitbürger der Region.

Wegbegleiter über Walter Reis


Unsere von Wertschätzung und Verlässlichkeit geprägte Freundschaft begann 1980 und führte 1989 zur gemeinsamen Gründung der "Obernburger Stiftung Hilfe in Not", die seitdem landkreisweit Menschen in Notlagen finanziell unterstützt.

Dr. Fritz Lambert – langjähriger Freund


Ehrgeiz und Zielstrebigkeit machten Walter Reis erfolgreich. Sein Ideenreichtum und die konsequente Umsetzung in Produkte, die Marktchancen hatten.

Dieter Jann – langjähriger Freund


Mit der Eröffnung des Walter Reis Instituts hat Walter Reis eine Einrichtung geschaffen, in der nachhaltig sein Ingenieurs- und Erfindergeist an die Jugend weitergegeben wird.

Dietmar Fieger – Bürgermeister von Obernburg


Die Seriosität von Herrn Reis und seines Unternehmens waren außergewöhnlich im Vergleich zu anderen Entrepreneuren. Die angenehme Bekanntschaft und Zusammenarbeit besteht seit mehr als drei Jahrzehnten.

Horst Honebein – Geschäftspartner

Auszeichnungen & Ehrungen

1987 | Goldene Verdienstmedaille der Stadt Obernburg

1993 | Aero-Club Österreich: Igo Etrich Medaille in Gold

1995 | Joseph Engelberger Award Roboterverband der USA

1998 | Goldene Ehrennadel der Mittelstandsunion.

2000 | Goldene Bürgermedaille der Stadt Obernburg

2001 | Bundesverdienstkreuz am Bande

2001 | Straßenname ehrenhalber: Walter Reis Straße

2004 | Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um die Wirtschaft

2005 | Preis Deutscher Maschinenbau Beste deutsche Maschinenbaufirma

2005 | Innovationspreis der deutschen Wirtschaft

2005 | Ehrenvorsitz der „Obernburger Stiftung Hilfe in Not“

2005 | Ehrenmitglied „Flugsportclub Miltenberg“

2006 | Rudolf Dieselmedaille vom Deutschen Institut für Erfindungswesen

2006 | Innovationspreis der deutschen Wirtschaft

2007 | VDMA-Verdienstorden in Gold

2010 | Bundesverdienstkreuz 1. Klasse